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Leonberger Kreiszeitung, 7. Juli 2007
Eine Steintafel hält die Erinnerung wach - von Nathalie Mainka
In der Rutesheimer Straße 50/3 waren holländische Zwangsarbeiter auf primitive Weise eingepfercht
Leonberg. Die Gedenktafel besteht aus einheimischem rotem Sandstein, geschaffen von Andreas Geißelhardt. Sie soll an Zwangsarbeiter erinnern, die nach Leonberg verschleppt worden waren. Enthüllt wird diese Tafel am 10. Juli am Gebäude in der Rutesheimer Straße 50/3.
Auf Anregung der KZ-Gedenkstätteninitiative Leonberg hat der Landkreis Böblingen diese Gedenktafel anfertigen lassen. Sie wird an jenem Gebäude angebracht, in dem in den Jahren 1944 und 1945 holländische Zwangsarbeiter des Gestapo-Lagers sowie Ost-Zwangsarbeiterinnen eingepfercht waren. Einer davon war Piet Schultz aus Den Haag. Er und seine Frau werden dabei sein, wenn Landrat Bernhard Maier am Dienstag, 10. Juli, um 11 Uhr die Tafel feierlich enthüllt, die der Leonberger Steinbildhauer Andreas Geißelhardt kreiert hat.
Das Gebäude Rutesheimer Straße 50/3 war - wie auch die beiden Nachbargebäude - während des Zweiten Weltkrieges als Luftwaffenkaserne für die Flugabwehr geplant und im Rohbau hochgezogen worden. In den letzten beiden Kriegsjahren wurden dort 200 holländische Gestapo-Häftlinge auf primitive Weise untergebracht und als Zwangsarbeiter Baufirmen beziehungsweise der Organisation Todt, die in Deutschland als auch in den von deutschen Truppen besetzten Gebieten für kriegswichtige Bauvorhaben zuständig war, zur Verfügung gestellt. Als immer mehr deutsche Bauarbeiter und Ingenieure im Krieg ums Leben kamen, zogen die Nazis verstärkt KZ-Insassen, Häftlinge aus Arbeitserziehungs- und Polizeilagern und andere Gefangene zum Einsatz heran. Die straff hierarchisch organisierten OT-Arbeiter waren an ihren olivgrünen Uniformen mit einer Hakenkreuzarmbinde zu erkennen. In Leonberg mussten sie den Engelbergtunnel zu einer Rüstungsfabrik umbauen sowie eine drei Kilometer lange Wasserleitung vom Glemstal bis zum Engelberg errichten. Auch Luftschutzstollen für die Bevölkerung unter der Altstadt hatten sie zu graben. Viele überlebten die schlimmen Strapazen und die auftretenden Seuchen nicht. Im Untergeschoss des Gebäudes waren rund 40 Zwangsarbeiterinnen aus der Ukraine mit ihren Kindern sowie zehn polnische Zwangsarbeiter eingesperrt. Heute ist das Gebäude im Besitz des Landkreises.
Eberhard Röhm, Vorsitzender der KZ-Gedenkstätteninitiative Leonberg, wird bei der Enthüllung der Tafel einleitende Worte sagen. Auch Schülerinnen und Schüler des Beruflichen Schulzentrums wirken mit.
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