Land der verbrannten Erde - Deutschlands historische Verantwortung für die Ukraine

Dienstag, 14. 11., 19.30 Uhr Haus der Begegnung

Vortrag von Dr. Johannes Spohr, Berlin


Die Ukraine und Deutschland – zur Geschichte eines asymmetrischen Verhältnisses

 Veranstalter: KZ-Gedenkstätte Leonberg e.V. in Kooperation mit der Ev. Erwachsenenbildung Leonberg,

Eintritt frei, um Spenden an das Hilfsnetzwerk für Überlebende der NS-Verfolgung in der Ukraine  https://hilfsnetzwerk-nsverfolgte.de/ wird gebeten.

Infolge des entgrenzten Krieges der Russischen Föderation gegen die Ukraine seit dem 24. Februar 2022 entwickeln sich auch die deutsch-ukrainische Beziehungen unter neuen Vorzeichen. Dies drückt sich auf politisch-repräsentativer Ebene, aber auch in der Berichterstattung oder in den Hilfsaktionen für Geflüchtete aus. Diese Beziehungen haben eine lange Vorgeschichte, die sich bis zum Ersten Weltkrieg zurückverfolgen lassen.

Johannes Spohr versucht der Frage nachzugehen, warum das Verhältnis zur Ukraine und das Wissen um die geschichtlichen Hintergründe bislang in Deutschland so unterbelichtet waren. Wer hat die lückenhafte und z.T. auch falsche Geschichtsschreibung zu verantworten?  Warum spricht man im Zusammenhang mit der Sowjetarmee meist nur von Russen, die Deutschland befreiten? Warum werden die sieben Millionen ukrainischen Soldaten nicht erwähnt? Waren die Millionen von sowjetischen Opfern nur Russen, wie es landläufig gleichgesetzt wird? Und wieso wurde und wird der Ukraine mit ihren Anliegen nie das Gehör geschenkt, das ihr gebührt? Schon seit dem 19. Jahrhundert hoffte die Ukraine auf deutsche Unterstützung für ihre nationale Unabhängigkeit – während die deutsche Seite eigene strategische Interessen in der Ukraine verfolgte, z.B. die Nutzung als ‚Kornkammer‘ für das eigene Reich.

Im Vortrag sollen zentrale Etappen dieses Verhältnisses, seine Wahrnehmungsschemata und Verkehrsformen eingeführt werden, um zu einem besseren Verständnis der heutigen Vorgänge beizutragen.

Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf dem bis heute wenig bekannten deutschen Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion, deren Teil die besonders betroffene Ukraine war, und der dortigen Besatzungsherrschaft. Das betrifft das Abbrennen von Dörfern, das Massakrieren der Einwohner, der Raub von Gütern und Vieh, die Zerstörung von Industrieanlagen und landwirtschaftlicher Einrichtungen sowie die massive Zunahme von Verschleppungen zur Zwangsarbeit.  Was zurückblieb, war verbrannte Erde. Heute sind etliche derer, die damals gelitten hatten, aber der NS-Verfolgung entkommen konnten, abermals bedroht. Es gibt Menschen, die Konzentrationslager überlebt haben und jetzt erneut in Gefahr sind oder schon von Bomben getötet wurden.

 

 

Johannes Spohr ist Historiker und betreibt in Berlin den Recherchedienst present past zum Nationalsozialismus in Familie und Gesellschaft (https://www.present-past.net). Er ist außerdem Mitbegründer und Vorstandsmitglied des ‚Hilfsnetzwerk für Überlebende der NS-Verfolgung in der Ukraine‘ - https://hilfsnetzwerk-nsverfolgte.de/ .Er promovierte zur Ukraine in der Zeit des Rückzugs der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg, sein Buch „Die Ukraine 1943/44. Loyalitäten und Gewalt im Kontext der Kriegswende“ erschien im Metropol Verlag.

 

 

 

 


zurück