Holocaustgedenktag 2021

Die KZ-Gedenkstätteninitiative Leonberg e.V hatte für den Holocaustgedenktag 2021 eine Veranstaltung im HdB mit dem Historiker Andrej Angrick am 27. Januar geplant. Sie fällt Corona-bedingt aus. Wir wollen aber in Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus das Thema seines Vortrags mit dem Titel "Aktion 1005 - Spurenbeseitigung  von NS-Massenverbrechen" erläutern.

Am 27. Januar jährt sich die Befreiung des KZ Auschwitz durch die Rote Armee zum 76. Mal. Seit einem Vierteljahrhundert ist das in Deutschland der offizielle Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Gedacht wird Millionen Ermordeter und Abermillionen der Nazi-Barbarei ausgelieferter Menschen: europäische Juden, Sinti und Roma, Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge, sowjetische Kriegsgefangene, Opfer staatlicher Euthanasie, Homosexuelle – und der Vielen, die sich aus religiösen, politischen oder menschlichen Motiven dem Terror widersetzten.

An diesem Tag wollte der Historiker Andrej Angrick auf Einladung der KZ-Gedenkstätteninitiative Leonberg e. V. im Haus der Begegnung über Kriegsverbrechen der Wehrmacht und der Einsatzgruppen in Osteuropa sprechen. Und über Spurenverwischungs-Kommando 1005. Eigentlich. Und mit seinen Besuchern über „Enterdung“ diskutieren. Corona ist dagegen, die Veranstaltung ist abgesagt. Vielleicht nächstes Jahr.

„Enterdung“, was ist das?

„Enterdung“, noch nie gehört, was soll das sein? Das Wort beschreibt die völlige Vernichtung der bereits Ermordeten: Mord genügte den Nationalsozialisten nicht, die Menschen sollten überhaupt nie gelebt haben – spurlos verschwunden. Dazu befahl ab 1943 SS-Chef Himmler die geheime „Aktion 1005": Andrej Angrick hat die Maßnahmen, Handlungen und Verantwortlichkeiten minutiös und in allen Einzelheiten erforscht und aufgeschrieben.

Bei der „Aktion 1005“ ging es nur um eins, um die Beseitigung aller Massengräber, also der dort verscharrten Leichen. Dazu mussten sie wieder ans Tageslicht, die „Enterdung“. Dieser Vorgang lief so ab: Zunächst wurde um das Massengrab ein Sichtschutz gebaut, dann mussten Häftlinge die Leichen ausgraben und mit Stangen herausziehen. Die Toten wurden zu Scheiterhaufen aufgestapelt, entzündet und verbrannt, auch die zu diesen Handlungen gezwungenen Häftlinge. So entstanden in Osteuropa Regionen, in denen dichter Rauch und beißender Geruch waberten und tausende Scheiterhaufen mit verwesenden menschlichen Körpern loderten.

Die Knochenreste warf man in Knochenmühlen. Uniformierte Mörder und im Nachgang deutscher Maschinenbau sollten alle Spuren verwischen.

Asche und Knochen dienten der „Modellierung“ der Lagergelände. So wurden etwa aus den aufgegebenen Vernichtungslagern Belzec und Treblinka harmlose Landschaften mit frisch gepflanzten Bäumen, Wiesen und neuen Bauernhäusern.

Andrej Angricks zweibändiges Werk hat fast 1500 Seiten, es ist fast unlesbar, höchstens portionsweise zu ertragen. Nächstes Jahr im Januar wird Andrej Angrick im Januar nach Leonberg kommen und mit Ihnen über die „Aktion 1005“ sprechen. Denken Sie am 27. Januar an all das, auch wenn es schwer fällt. Und denken Sie auch an jene Politiker, die die Nazi-Barbarei als „Fliegenschiss der Geschichte“ einordnen.

Im Internet finden Sie unter

https://www.bundestag.de/presse/pressemitteilungen/pm-201127-gedenktag-27-januar-810194

Informationen über die Gedenkveranstaltung im Bundestag


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